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Neue Ausstellung kaufrauschen

Neue Ausstellung: kaufrauschen

17. Oktober – 27. November 2026
Museum für Konsumkultur meets Galerie Leander Rubrecht

Vernissage

am Freitag, 16. Oktober 2026 um 18:30 Uhr
Einführung: Janine Seitz M.A., Kuratorin des Museums für Konsumkultur

Im Westen ging man „shoppen“, im Osten zum „Konsum“. Konsumiert wurde sowohl in der BRD, als auch in der DDR – allerdings komplett unterschiedlich. 

Während man sich im Westen berauschen konnte an Vielfalt und Überfluss, nahm man im Osten eher ein Rauschen wahr – eine diffuse Sehnsucht nach etwas, von dem man gar nicht wusste, ob man es brauchte. Man wollte diesem Rauschen näherkommen, Teil davon werden: der glitzernden Konsumwelten, der rauschenden Dinnerpartys, der unbegrenzten Möglichkeiten. Raus aus der sozialistischen Wartegemeinschaft, rein in die kapitalistische Konsumgesellschaft. So lässt sich die „friedliche Revolution“, die zum Fall der Mauer führte, auch als Konsumrevolution lesen.  

In den beiden Teilen Deutschlands herrschte ein Kontrast, wie er größer kaum sein könnte: Die Ökonomie des Überflusses, entsprungen aus dem westdeutschen Wirtschaftswunder, und die Ökonomie des Mangels, ausgelöst durch die Planwirtschaft, die auf Grundversorgung setzte.

Die Ausstellung kaufrauschen verknüpft historische Objekte und Alltagsgegenstände mit Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zum Thema Konsum. 

Die Highlights der Ausstellung

Sehnsuchtsort KaDeWe
Als großer Sehnsuchtsort galt das KaDeWe im geteilten Berlin: Kevin Clarke taucht dort 1978/79 als Fotograf ein und hält Verkäuferinnen und Verkäufer, Produkte und ihre Präsentation fest – subtil, ironisch und eigenwillig. 

Skulpturaler Luxus
Die Holzskulpturen der Wiesbadener Bildhauerin Christiane Erdmann setzen nicht nur Damenhandtaschen auf einen Sockel, sondern enthüllen auch ihren verlockenden, intimen Inhalt. Und geben damit einen Blick auf den zur Schau getragenen Wohlstand der Frau frei.

Das Versprechen der Eleganz
Die Perlenkette gilt als Inbegriff des Schönen. Die Künstlerin Elisabeth Mehrl stellt Schmuckstücke in den Fokus ihrer Malerei und fragt nach den Versprechen, die daran hängen. Überträgt sich nicht auch Reinheit und Eleganz der Perlen und Edelsteine auf die Person, die sich mit ihnen schmückt?

Design-Ikonen & Bausünden
Felix Kern gibt den Alu-Kacheln, die die Kaufhäuser von Helmut Horten schmückten, eine neue Funktion als Designobjekte. Sein Lichtobjekt HELLMUT setzt sie in ein anderes Licht. Bis heute sorgen die Horten-Kacheln für Diskussion: Die einen empfinden sie als ikonisch und als ein gelungenes Beispiel für architektonisches Corporate Design, die anderen sehen die Kaufhäuser mit ihrer verhüllten Fassade als Bausünden und Symbol für Gleichförmigkeit.

Kult-Objekt und Wegwerfartikel
Aus der Schenkung der Sammlung Portable Art / Heinz Schmidt-Bachem sind ausgewählte, gerahmte Einkaufstüten sowie Kleidungsstücke aus Plastiktüten zu sehen – Zeugnisse eines Materials, das im Westen zum Wegwerfartikel wurde. Im Osten hingegen war der „Plastebeutel“ ein begehrtes, weil seltenes Objekt und wurde möglichst lange wiederverwendet. Diesen gab es nur zu besonderen Anlässen. Im Alltag griff man zum Dederon-Beutel oder zum Einkaufsnetz, liebevoll auch Falls-Beutel genannt, den man immer dabei hatte – falls es etwas gibt.

kaufrauschen lädt dazu ein, diesen Objekten und Kunstwerken ganz nah zu kommen – und dabei die eigene Sehnsucht nach dem nächsten Kauf noch einmal neu zu befragen. Lassen Sie sich anstecken, irritieren und inspirieren vom ewigen Rausch(en) des Konsums!

Vernissage 16. Oktober 2026 um 18:30 Uhr

Galerie Leander Rubrecht
Büdingenstraße 4-6
65183 Wiesbaden
Ausstellungsdauer: 17.10.-27.11.2026
Öffentliche Besichtigungen von Mi-Fr 14-18 Uhr und nach persönlicher Vereinbarung, Tel. 0176-816 650 31
rubrecht-contemporary.com

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Stadtrundgang zu Wiesbadens Warenhäusern

Stadtrundgang zu Wiesbadens Warenhäusern

Samstag, 10. Oktober · 14-15:30 Uhr

Das Warenhaus Julius Bormass am Mauritiusplatz um 1910.
Foto: StadtA WI, PK 2150, Verlag Bormass, gemeinfrei

Bormass, Blumenthal, Horten, Hertie: Der Stadtrundgang führt zu den einstigen Warenhäusern in Kirchgasse und Langgasse, einst das pulsierende Herz der Wiesbadener Warenhaus-Welt. Doch was ist aus dem Glanz der „Kaufhaus-Meile“ geworden?

Begleiten Sie die Expertin für Konsumkultur Janine Seitz auf einer Spurensuche durch die Fußgängerzone. Wir blicken hinter die Fassaden – vom Jugendstil-Prunk über die schmerzhafte Geschichte der „Arisierung“ während der NS-Zeit bis hin zum Wirtschaftswunder und dem aktuellen Leerstand. Wir halten an den Orten inne, an denen jüdische Familien einst das moderne Einkaufen erfanden, bevor sie verfolgt und enteignet wurden.

Ein Stadtrundgang zum Wandel des Konsums – und zu den Geschichten der Menschen in Wiesbaden, die ihn prägten.

  • Wo: WerkRaum Wiesbaden, Langgasse 5–9 
  • Wann: Sa., 10. Oktober 2026 · 14-15:30 Uhr
  • Führung: Janine Seitz, Expertin für Konsumkultur
  • Treffpunkt: Ausstellung „KONSUM und ICH“ im WerkRaum Wiesbaden mit anschließendem Spaziergang über den Mauritiusplatz zu den Kaufhäusern Karstadt, Kaufhof und zum LuisenForum 
  • Empfohlener Beitrag: 5 Euro – zahle, was du kannst
    Unter 18 Jahren: kostenlos · Gruppen auf Anfrage
  • Anmeldung erbeten (begrenzte Plätze) an info@konsummuseum.de oder telefonisch 0176-99806148
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Kaufhäuser in Wiesbaden: Glanz, Schicksale und Geschichten (1/2)

Kaufhäuser in Wiesbaden: Glanz, Schicksale und Geschichten (1/2)

Kaufhaus Blumenthal (Teil 2): Neuer Warenhauspalast in Wiesbaden

Serien-Kompass

  • Kapitel 1: Kaufhaus Blumenthal (Teil 2 von 4)
  • Serie: Kaufhäuser in Wiesbaden: Glanz, Schicksale und Geschichten
  • Epoche: 1906 – 1914: Der Prachtbau und der kaiserliche Glanz

Prachtbau auf schwierigen Untergrund

1906 können die Blumenthals einen monumentalen Erfolg feiern und ganz Wiesbaden feiert mit. Die Kurstadt hat nun ihr zweites großes Warenhaus: Nach dem Haus Bormass auf dem Mauritiusplatz eröffnet das Kaufhaus Blumenthal nur wenige Meter entfernt in der Kirchgasse 39–41. Errichtet wurde der Prachtbau auf dem früheren Grundstück des Hotels und Restaurants Nonnenhof.

Der Bau erweist sich im Vorfeld als echte Ingenieursleistung. Der Wiesbadener Untergrund ist tückisch – kaum verwunderlich bei den zahlreichen unterirdischen Thermalquellen der Stadt. Um das schwere Gebäude dauerhaft zu sichern, müssen massive Trägerroste in Beton gegossen und aufwändige Brunnenfundierungen tief im Boden versenkt werden. Doch der Aufwand lohnt sich.

Stunden vor der Eröffnung stehen sie Schlange 

„Ein neuer Warenhauspalast“ titelt der Wiesbadener General-Anzeiger am 25. März 1906 voller Vorfreude. Als sich am Samstag, dem 31. März 1906, die Tore um Punkt 11 Uhr endlich öffnen sollen, herrscht in der Kirchgasse längst Ausnahmezustand. Schon Stunden zuvor sammeln sich die Menschenmassen auf den Gehwegen: „Leute aus allen Bevölkerungsschichten, Damen und Herren, Kinder und Greise und Greisinnen warteten in lebhafter Unterhaltung auf den großen Moment”, schreibt das Wiesbadener Tagblatt beeindruckt in seiner Abendausgabe

Marmor, Bronze und ein Lichthof zum Staunen

Beim Betreten sind die Menschen nicht nur vom schier endlosen Warenangebot überwältigt, sondern vor allem von der überbordenden Inneneinrichtung. Besticht das Gebäude bereits von außen mit seiner edlen Fassade aus Eltmanner Sandstein, offenbart sich im Inneren echter Luxus: So erblickt das staunende Auge einen Lichthof, der durch alle drei Etagen und das Erdgeschoss reicht, teils vergoldete Stuckverzierungen und eine beeindruckende Haupttreppe aus feinstem Marmor, flankiert von kunstvollen Gittern aus Bronze. Alles wirkt luftig, hell und mondän.

Technik vom Feinsten

Wer keine Treppen steigen möchte, kann einen der zwei hochmodernen Aufzüge nutzen. Bis zu zehn Personen fasst eine Kabine aus poliertem Ahorn mit Spiegelglas – und natürlich gibt es einen Fahrstuhlführer, der die Knöpfchen bedient.

Das Haus befindet sich technisch auf dem absolut neuesten Stand. Eine Zentralheizung sorgt für wohlige Wärme, und besonders die innovative Fußbodenheizung im Eingangs- und Ausgangsbereich wird in den Zeitungsberichten überschwänglich gelobt. Auf allen Etagen befinden sich Toiletten für Damen und Herren. 36 Bogenlampen am äußeren des Gebäudes sorgen dafür, dass die Jugendstilfassade auch am Abend und bei Nacht zur Geltung kommt. Insgesamt ist das Haus mit 2.000 Glühbirnen, 160 Bogenlampen und 20 Ventilatoren ausgestattet. Der Wiesbadener General-Anzeiger vom 30. März 1906 jubelt über „Mehr Licht“ für die Stadt und den steigenden Strombedarf.

Komfort für 300 Angestellte

Dass für den „König Kunde“ alles perfekt inszeniert ist, ist die eine Sache. Doch wie steht es mit dem Personal? Laut Wiesbadener General-Anzeiger arbeiten im neuen Haus 225 Mitarbeiterinnen und 75 Mitarbeiter. Im Souterrain stehen für sie zahlreiche Garderoben, Toiletten und Waschtische bereit. Hinzu kommen eigene Frühstücksräume und eine Kantine. Als besonders sozial und fortschrittlich gilt der geregelte Ladenschluss um 20 Uhr.

Skandal um nackte Figur: Die gerettete Sittlichkeit

Eine Anekdote am Rande spiegelt den moralischen Geist zur Jahrhundertwende treffend wider: Der Wiesbadener General-Anzeiger bringt zur Eröffnung ein satirisches Gedicht in bayerischer Mundart – „Die gerettete Sittlichkeit“. Was war passiert? Das konservative, katholisch geprägte Wiesbadener Volksblatt hatte sich im Vorfeld darüber empört, dass im Treppenfenster des Neubaus eine nackte, allegorische Figur angebracht ist. Würde man dort nun etwa auch noch anrüchige Spitzenkorsetts verkaufen? Eine Frauenfigur im Inneren schien sogar vollständig unbekleidet zu sein – und hieß obendrein „Frau Mode“! Ein handfester Skandal, den der Verfasser des Gedichts mit feiner Ironie aufs Korn nimmt.

→ Wie geht es weiter?

Der Jugendstil-Palast strahlt im Glanz der kaiserlichen Kurstadt. Doch die dunklen Wolken des Ersten Weltkriegs werfen bereits ihre Schatten voraus. Erfahre im nächsten Kapitel, wie ein junger Chef das Erbe antritt und das Familienunternehmen durch die stürmischen und alles andere als goldenen Zwanziger-Jahre navigiert.

Weiter zu Teil 3: Wie die Familie Blumenthal mit ihrem Kaufhaus den Ersten Weltkrieg, die Hyperinflation und die 1920er meistert (1914–1929).

Zurück zu Teil 1

Janine Seitz 

Quellen:

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Kaufhäuser Wiesbaden

Kaufhäuser in Wiesbaden: Glanz, Schicksale und Geschichten (1/1)

Kaufhäuser in Wiesbaden: Glanz, Schicksale und Geschichten (1/1)

Kaufhaus Blumenthal (Teil 1): Hamburger Luft in der Kurstadt

Serien-Kompass

  • Kapitel 1: Kaufhaus Blumenthal (Teil 1 von 4)
  • Serie: Kaufhäuser in Wiesbaden: Glanz, Schicksale und Geschichten
  • Epoche: 1883 – 1906: Vom Kurzwarenladen zum Prachtbau

Wiesbaden als Magnet für Entrepreneure

Als im Laufe des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg Wiesbaden als Weltkurstadt florierte, fühlten sich die Wiesbadener ganz mondän. Doch diejenigen, die Wiesbaden voran brachten, die wahren Innovateure, kamen meist von außerhalb. Sie nutzten die Möglichkeiten, die eine aufstrebende Stadt bot, und trugen somit zum neuen Großstadt-Flair bei. Denn hier ging noch was – und im Gegensatz zu anderen Städten, die durch die Industrialisierung boomten, zeigte sich Wiesbaden als Tourismusmagnet mit Heilwasser,  sauberer Luft und den besten Freizeitmöglichkeiten.

Ein junges Paar wagt den großen Schritt 

Mit einer Geschäftsidee in der Tasche kam auch das junge Paar Seligmann und Julie, genannt Julchen, Blumenthal 1883 nach Wiesbaden. Seligmann war damals 29 Jahre alt und stammte aus dem kleinen Ort Rosenthal in der Nähe von Marburg. Julchen war fünf Jahre jünger und wurde im Hamburger Stadtteil Altona geboren. Sie sind noch nicht verheiratet, als sie im April 1883 ein Kurzwarengeschäft in Wiesbaden eröffnen. Für die damalige Zeit ein ungewöhnlicher Schritt – die Hochzeit folgt erst im September 1884. Das Paar hat drei Kinder: Theodora wird 1885, Adolf 1887 und Else 1892 geboren. So dokumentiert Klaus Flick die Geschichte der Familie Blumenthal auf seinem Blog zu den Judenhäusern in Wiesbaden.

Die hanseatische Verbindung nach Wiesbaden

Anzeige im Wiesbadener Tagblatt

Der Name des Geschäfts klingt nach großer weiter Welt: „Hamburger Engros-Lager, S. Blumenthal & Co.“ Der Bezug zu Hamburg ist kein Zufall. Aufgrund des Namens lässt sich auf eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen M.J. Emden in Hamburg schließen. M.J. Emden fungierte sowohl als eigenständiger Detailhändler mit zahlreichen Geschäften in ganz Deutschland, aber vor allem auch als Großhändler für andere kleinere Kaufmannsbetriebe. Diese können mit hoher Qualität, Exklusivität und günstigen Preisen werben. So beziehen die Blumenthals ihre Textil- und Kurzwaren ausschließlich vom Großhändler M.J. Emden und konnten somit „Einzel-Verkauf zu Fabrikpreisen“ bieten (siehe Anzeige im Wiesbadener Tagblatt, 15.04.1886, in der auch mit gleichartigen Geschäften in zahlreichen Städten und eigenen Einkaufshäusern geworben wird). 

Ein Blick nach Berlin: Was Jandorf und Blumenthal einte

Wie verbreitet das Modell war, zeigt ein Blick nach Berlin: Adolf Jandorf, der spätere Gründer des KaDeWe, eröffnet 1892 sein erstes Geschäft in Berlin ebenfalls unter dem Namen „Hamburger Engros-Lager“ mit dem Zusatz Adolf Jandorf – das Ganze frecherweise, obwohl er eigentlich ein Geschäft unter dem Namen M.J. Emden eröffnen soll. Als im selben Jahr in Hamburg eine Cholera-Epidemie grassiert, verschwindet der Städtename schnell aus dem Firmennamen, da sich die Nennung als geschäftsschädigend auswirkt. 

Der große Triumph im Jahr 1906: Neubau in der Kirchgasse

Blumenthals nutzen den Zusatz „Hamburger Engros-Lager“ definitiv länger. Die Jahrzehnte um die Jahrhundertwende laufen gut. Die Kurstadt Wiesbaden ist der ideale Standort. Kein Ruß, keine Fabrikviertel – dafür ein kaufkräftiges Publikum aus aller Welt. Aus dem Kurzwarengeschäft wird ein wachsendes Unternehmen. Und 1906 folgt der sichtbarste Beweis dafür: ein Kaufhaus-Neubau in der Kirchgasse. Das Hamburger Engros-Lager ist Geschichte – von nun an gehen die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener und ihre Kurgäste ins Kaufhaus Blumenthal.

→ Wie geht es weiter?

Der prachtvolle Neubau steht und erfreut sich höchster Beliebtheit. Die Kunden und Kundinnen strömen herbei – ob Arbeiter oder Adelige, ob jung oder alt, aus nah und fern. Das Kaufhaus Blumenthal ist das „größte am Platze“, die Familie Blumenthal wird zu einem angesehenen Teil der Wiesbadener Gesellschaft. Sie ist auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs angekommen.

Weiter zu Teil 2: Wie der Glanz der Kurstadt seinen Höhepunkt erreicht und die Familie Blumenthal mit diesem Rückenwind zum wichtigsten Kaufhaus Wiesbadens aufsteigt (1906-1914).

Janine Seitz 

Quellen:

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Kaufhaus, Kulturort, Kulturzeit: Das Museum für Konsumkultur bei 3sat

Kaufhaus, Kulturort, Kulturzeit: Das Museum für Konsumkultur bei 3sat

Diese Woche war die Pop-up-Ausstellung „KONSUM und ICH – Vom Warenhaus zur Shopping-App“ zu Gast bei Kulturzeit auf 3sat – im Rahmen eines Beitrags zur World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026. Zahlreiche Projekte in der Region setzen sich mit der Frage auseinander, wie Design zur Demokratie beitragen kann.

Screenshot aus der Sendung Kulturzeit vom 22.06.2026 auf 3sat

Der Beitrag in der Kulturzeit schwenkt dabei auch nach Wiesbaden: Was die Initiatorin des Museums für Konsumkultur und Zukunftsforscherin Janine Seitz dort gesagt hat, bringt auf den Punkt, warum es diese Ausstellung gibt: Kaufhäuser waren nie nur Orte zum Einkaufen. Sie waren Treffpunkte. Orte, an denen Lesungen stattfanden, Ausstellungen, Konzerte. An denen man verweilte, sich unterhielt, ein Buch las, kurz eine Verschnaufpause einlegte. Gesellschaftliche Räume – mitten in der Stadt. Kaufhäuser war offen für alle.

Genau das haben wir im WerkRaum Wiesbaden wiederentdeckt. Auf der Ausstellungsfläche in einem ehemaligen (Sport-)Kaufhaus in der Langgasse mitten in der Fußgängerzone, stellen wir die Fragen: Was hat Konsum mit uns gemacht? Was macht er heute mit uns? Und was wollen wir morgen damit anfangen?

Die große Frage hinter den ganz persönlichen und individuellen Aspekten, über das eigene Konsumverhalten nachzudenken, ist die Frage danach, wie Konsum heute und morgen (wieder) zu Demokratie beitragen kann.

Der Beitrag zur WDC 2026 ist ab Minute 27:19 in der Sendung Kulturzeit zu sehen.

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Kuratorinnen-Führung

Kuratorinnen-Führung durch die Ausstellung KONSUM und ICH

Samstag, 19. September · 12 Uhr · ca. 60 Min.

Was verraten unsere Einkäufe über uns? Und was hat Konsum mit Demokratie zu tun?

Bei dieser Kuratorinnen-Führung nimmt Janine Seitz, Kuratorin der Schau und Initiatorin des Museums für Konsumkultur, Sie mit durch die Ausstellung KONSUM und ICH. Am Samstag, 19. September um 12 Uhr, gibt sie einen Überblick über die Anfänge des modernen Massenkonsums.

Wie sind die ersten Warenhäuser in Deutschland entstanden? Wieso galten sie einst als „Kathedralen des Konsums“?Welche Rolle spielen sie bis heute für unsere Konsumgewohnheiten? Der Bogen spannt sich von der Warenhausgeschichte bis hin zu unserem modernen Massenkonsum. Dabei dient die Plastiktüte als Erinnerungsstück an die Welt vor dem Onlineshopping.

Mit Aha-Erlebnissen, Mitmach-Momenten und viel Raum für Austausch.

Wer mehr zur Geschichte der Warenhäuser in Wiesbaden erfahren will, hierzu findet am 10. Oktober 2026 ein Stadtrundgang statt >>

  • WerkRaum Wiesbaden, Langgasse 5–9
  • Eintritt frei · Keine Anmeldung nötig

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Vom Konsumtempel zum Museum

Vom Konsumtempel zum Museum

Was bleibt von der Geschichte der Warenhäuser?

„Schließ heute ein Kaufhaus zu, öffne die Tür nach hundert Jahren – und du hast ein Museum moderner Kunst.“ 

Andy Warhol, 1985

Wenn wir heute ein Kaufhaus schließen, hätten wir dann auch in 100 Jahren noch ein Museum? Was würden wir darin sehen? Ist das, was es dort gibt, bewahrenswert? Oder bewahren wir einfach nur noch Leere, marode Technik, bröckelnde Fassaden? 

Als das Kaufhaus noch die Zukunft war: Die 1980er und der Konsumrausch

Als der Pop-Art-Künstler Andy Warhol Mitte der 1980er Jahre das Kaufhaus mit einem Museum für moderne Kunst verglich, strauchelten einige Konzerne zwar auch bereits und doch präsentierten sich Kaufhäuser als die Orte der neuesten Trends und Mode. Sie verkörperten die moderne Konsumgesellschaft par excellence. Individuelle Massenwaren erschwinglich für jedermann und jederfrau. Alles im Überfluss. Natürlich wäre ein Kaufhaus in den 1980ern auch nur eine Momentaufnahme des Zeitgeistes: Schrill-bunte Popkultur in Reinform. Schulterpolster und Leggings, Oversized und Neonfarben, Vokuhila und Dauerwellen. Frei nach dem Motto: Mehr ist Mehr!

Zeitkapsel Warenhaus: Von Moonboots und postapokalyptischer Nostalgie

Mir kommt eine Erinnerung an die BBC-Serie „The Tripods – Die dreibeinigen Herrscher“ (1984/85) in den Sinn: In einer Folge stolpern die drei Freunde in Paris in ein altes Kaufhaus. Alles wirkt morbide und doch zugleich moderner und näher, als das Leben, das die Jugendlichen bislang führen mussten, in einer postapokalyptischen, mittelalterlich-anmutenden Zukunft. Mit vielen Dingen wissen sie gar nichts anzufangen – und verlassen das Kaufhaus schließlich mit coolen 80er-Jahr-Klamotten inklusive Moonboots.

Vom Gebrauchsgegenstand zum Museumsobjekt: Alltagskultur im Wandel

Geht es heute immer noch so sehr um die Waren? Oder eher um die Kultur, also wofür die Kaufhäuser als Institutionen stehen? Wir stellen uns eher die Frage, was wir mit den Produkten machen – und wissen wir in 100 Jahren noch um ihren Nutzen oder sind sie in Vergessenheit geraten oder obsolet geworden. So wie ein Walkman heute längst ein Museumsobjekt geworden ist, werden Alltagsgegenstände erst nutzlos und dann wieder als Ausstellungsstücke wertvoll. Dabei sagen Objekte per se wenig aus, es geht um ihre Geschichten, um die Erlebnisse, die mit ihnen verbunden waren – um ihre Nutzung durch die Menschen. 

Wenn wir heute hier Plastiktüten ausstellen, bewegen wir uns aktuell noch zwischen der Debatte um Wegwerfartikel und Umweltverschmutzung sowie Designobjekte und Zeitgeistphänomen. Sie erzählen die Geschichten des Massenkonsums der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und werden gerade zu Relikten einer vergangenen Zeit. 

Ausblick: Die Geschichte des modernen Konsums

Schade, dass wir nicht schon vor 40 Jahren einfach mal ein Kaufhaus geschlossen haben mit all seinem Inhalt. Wir hätten heute schon ein Museum! So sammeln wir und kuratieren wir. Dinge, Orte und Technologien. Und erzählen die Geschichten der Menschen hinter den Objekten, Innovationen und Fassaden. Denn nur so werden sie lebendig. 

In diesem Blog nehmen wir euch mit auf eine Reise durch die Geschichte des modernen Konsums: Von den Anfängen der Warenhäuser im 19. Jahrhundert und deren Höhepunkt in der Weimarer Republik über die Arisierungen der NS-Zeit und die Aufbruchsstimmung des Wirtschaftswunders bis hin zum Konsum in Ost und West – geprägt durch die geteilte Geschichte von DDR und BRD – sowie dem Aufstieg des Internethandels.

Janine Seitz 

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Einkaufstüten als Spiegel der Konsumgeschichte

Einkaufstüten als Spiegel der Konsumgeschichte

Life in Plastic. It’s fantastic?

Wand mit Einkaufstüten
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Heute wirken sie wie Relikte aus einer anderen Zeit. Dabei ist es noch gar nicht lange her: Seit 2016 gibt es sie im Handel nicht mehr kostenlos, erst seit 2022 sind Einweg-Plastiktüten in Deutschland weitgehend verboten. Was als praktischer Alltagshelfer begann, wurde zum Symbol der Wegwerfkultur.

Die Tüten erzählen die Konsumgeschichte der letzten 60 Jahre – in Farbe, Form und Firmenlogo. 

In ganz Deutschland? Ja, allerdings waren Plastiktüten in der BRD viel verbreiteter als der „Plastebeutel” in der DDR.

Wie alles begann

1961 führte der Kaufhauskonzern Horten die Tragetasche aus Polyethylen ein – damals noch als sogenannte „Hemdchentüte“. Andere Warenhäuser zogen schnell nach, darunter Kaufhof ab Mitte der 1960er-Jahre.

Die Hemdchentüte hat ihren Namen von ihren Henkeln, die den Trägern eines Unterhemds ähneln. Mit ihr startete der Siegeszug der Plastiktüten für den Massenmarkt.

Übrigens: Einer der Erfinder des „Hemdchen-Prinzips“ für Verpackungsbeutel war die Firma RUMA aus Wiesbaden-Dotzheim. 

Doch schon nach wenigen Jahren wurde sie weitgehend von der stabileren Reiterbandtasche abgelöst – im Grunde die klassische Plastiktüte (wie wir sie kennen) mit verstärktem Trage-Eingriff. Beinahe immer und überall gab es sie kostenlos zum Einkauf dazu.

Vom Fortschritt zum Problem

32

Plastiktüten pro Kopf im Jahr – 1975

76

Plastiktüten pro Kopf im Jahr – 2014

27

dünne Plastiktüten (z.B. für Obst, nicht verboten) pro Kopf im Jahr – 2023

Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde der Jutebeutel hip: „Jute statt Plastik“ wurde zur Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft. 

Design und Zeitgeist

Plastiktüten waren günstig, praktisch – und perfekte Werbeträger. 

In den 1970ern waren Einkaufstüten so bunt wie die Tapeten in den Wohnzimmern. Jedes Kaufhaus hatte seinen eigenen Look:

Horten übertrug seine berühmt-berüchtigte Kachelfassade auch auf das Tütendesign: blaue Dreiecke als abstraktes H für Horten. 

Kaufhof setzte auf psychedelische Kreise – meist in klassischem Grün, manchmal auch in mutigem Pink.

Unvergessen ist die rot-blaue „Hertie-Sonne“, die in den 1970ern und 80ern bis zur Übernahme durch Karstadt 1994 über die Einkaufsstraßen strahlte.

Auch Exklusivität ließ sich wunderbar nach außen in die Welt tragen: Die Tüte als Statussymbol.  

KaDeWe: Hier wurde die Tüte zum Kunstobjekt. Gleich erkannt? Alltagsgegenstände wie Kartoffeln oder Pinsel wurden wie Stillleben inszeniert.

Wertheim zeigte Mitte der 1980er noch einmal sein ikonisches Original-Logo mit dem Globus auf dem „W“ aus den glanzvollen Anfangsjahren des Warenhauses.

Im Osten: Plaste, Papier und Dederon

Wo es keinen Überfluss gab, waren auch Einwegtüten aus Plastik überflüssig. Stattdessen wurden in der DDR vor allem Papiertüten genutzt. „Plastebeutel“ waren begehrt und wurden so lange wie möglich wiederverwendet.

  • Flowerpower: Die grafischen Muster der Papiertüten der Handelsorganisation (kurz HO) und ihrer Centrum Warenhäuser waren auffällig bunt – ein optischer Akzent im oft grauen Alltag. 
  • Dederon-Netze: Ein besonderes Stück DDR-Alltagskultur. Die Einkaufsnetze aus der Polyamid-Kunstfaser Dederon waren extrem robust und dehnbar: es hieß, es passen bis zu 12 Bierflaschen hinein.

Im Westen bis zur Wende vergessen und von der Plastiktüte verdrängt, erlebt das Einkaufsnetz längst ein Comeback als umweltfreundliche Alternative – oft mit einem Hauch „Ostalgie“.