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Vom Konsumtempel zum Museum

Vom Konsumtempel zum Museum

Was bleibt von der Geschichte der Warenhäuser?

„Schließ heute ein Kaufhaus zu, öffne die Tür nach hundert Jahren – und du hast ein Museum moderner Kunst.“ 

Andy Warhol, 1985

Wenn wir heute ein Kaufhaus schließen, hätten wir dann auch in 100 Jahren noch ein Museum? Was würden wir darin sehen? Ist das, was es dort gibt, bewahrenswert? Oder bewahren wir einfach nur noch Leere, marode Technik, bröckelnde Fassaden? 

Als das Kaufhaus noch die Zukunft war: Die 1980er und der Konsumrausch

Als der Pop-Art-Künstler Andy Warhol Mitte der 1980er Jahre das Kaufhaus mit einem Museum für moderne Kunst verglich, strauchelten einige Konzerne zwar auch bereits und doch präsentierten sich Kaufhäuser als die Orte der neuesten Trends und Mode. Sie verkörperten die moderne Konsumgesellschaft par excellence. Individuelle Massenwaren erschwinglich für jedermann und jederfrau. Alles im Überfluss. Natürlich wäre ein Kaufhaus in den 1980ern auch nur eine Momentaufnahme des Zeitgeistes: Schrill-bunte Popkultur in Reinform. Schulterpolster und Leggings, Oversized und Neonfarben, Vokuhila und Dauerwellen. Frei nach dem Motto: Mehr ist Mehr!

Zeitkapsel Warenhaus: Von Moonboots und postapokalyptischer Nostalgie

Mir kommt eine Erinnerung an die BBC-Serie „The Tripods – Die dreibeinigen Herrscher“ (1984/85) in den Sinn: In einer Folge stolpern die drei Freunde in Paris in ein altes Kaufhaus. Alles wirkt morbide und doch zugleich moderner und näher, als das Leben, das die Jugendlichen bislang führen mussten, in einer postapokalyptischen, mittelalterlich-anmutenden Zukunft. Mit vielen Dingen wissen sie gar nichts anzufangen – und verlassen das Kaufhaus schließlich mit coolen 80er-Jahr-Klamotten inklusive Moonboots.

Vom Gebrauchsgegenstand zum Museumsobjekt: Alltagskultur im Wandel

Geht es heute immer noch so sehr um die Waren? Oder eher um die Kultur, also wofür die Kaufhäuser als Institutionen stehen? Wir stellen uns eher die Frage, was wir mit den Produkten machen – und wissen wir in 100 Jahren noch um ihren Nutzen oder sind sie in Vergessenheit geraten oder obsolet geworden. So wie ein Walkman heute längst ein Museumsobjekt geworden ist, werden Alltagsgegenstände erst nutzlos und dann wieder als Ausstellungsstücke wertvoll. Dabei sagen Objekte per se wenig aus, es geht um ihre Geschichten, um die Erlebnisse, die mit ihnen verbunden waren – um ihre Nutzung durch die Menschen. 

Wenn wir heute hier Plastiktüten ausstellen, bewegen wir uns aktuell noch zwischen der Debatte um Wegwerfartikel und Umweltverschmutzung sowie Designobjekte und Zeitgeistphänomen. Sie erzählen die Geschichten des Massenkonsums der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und werden gerade zu Relikten einer vergangenen Zeit. 

Ausblick: Die Geschichte des modernen Konsums

Schade, dass wir nicht schon vor 40 Jahren einfach mal ein Kaufhaus geschlossen haben mit all seinem Inhalt. Wir hätten heute schon ein Museum! So sammeln wir und kuratieren wir. Dinge, Orte und Technologien. Und erzählen die Geschichten der Menschen hinter den Objekten, Innovationen und Fassaden. Denn nur so werden sie lebendig. 

In diesem Blog nehmen wir euch mit auf eine Reise durch die Geschichte des modernen Konsums: Von den Anfängen der Warenhäuser im 19. Jahrhundert und deren Höhepunkt in der Weimarer Republik über die Arisierungen der NS-Zeit und die Aufbruchsstimmung des Wirtschaftswunders bis hin zum Konsum in Ost und West – geprägt durch die geteilte Geschichte von DDR und BRD – sowie dem Aufstieg des Internethandels.

Janine Seitz